Prior Christian Stuefer OT eröffnete den Abend mit anerkennenden Worten zu Pater Karl Gögele, der den Mut hatte, den Widrigkeiten seiner Zeit zu trotzen, und bezeichnete das Werk als ein „Trostbuch“, das nicht nur die Geschichte der Pfarre St. Leonhard dokumentiert, sondern auch für die Herausforderungen der Gegenwart Halt und Orientierung bietet.
Thomas Kager, Programmleiter des Raetia-Verlags, dankte dem Deutschorden für die wertvolle organisatorische und finanzielle Unterstützung, ohne die die Veröffentlichung dieses Buches nicht möglich gewesen wäre. Er hob hervor, wie anschaulich und detailreich Gögele seine Beobachtungen niederschrieb. Gerade im Spannungsfeld des Faschismus zeige sich sein feines Gespür für die Zwischentöne und seine bemerkenswerte Fähigkeit, zwischen den Zeilen zu erzählen.
Die Lesung der Chronikpassagen übernahm kurzfristig Siegfried Giuliani, der für den verhinderten Patrick Rina eingesprungen war, und ließ Gögeles Erzählungen mit seiner kraftvollen Stimme lebendig werden. Parallel dazu erläuterte Thomas Kager im Frage-Antwort-Gespräch mit Autorin und Herausgeberin Monika Mader den geschichtlichen Hintergrund jener einschneidenden Zeit. Dabei wurde deutlich, wie Karl Gögele die Einschränkungen durch die Militärpräsenz nach dem Ersten Weltkrieg, den zunehmenden Druck der Italianisierung und schließlich das Aufkommen des Nationalsozialismus in der Berggemeinde St. Leonhard erlebte. Seine rund 20-jährigen Aufzeichnungen zeichnen ein realistisches Bild des Alltags und der Lebensumstände der ländlichen Bevölkerung, dokumentieren die subtilen Widerstände gegen die politische Vereinnahmung und bilden ein einzigartiges Zeitzeugnis über die Manifestation von Diktatur im Passeiertal – und darüber hinaus.
Im Anschluss hatten die Gäste Gelegenheit, Fragen zu stellen, mit den Herausgeber*innen ins Gespräch zu kommen und sich das Buch signieren zu lassen. Bei einem kleinen Umtrunk klang der Abend in angeregter Atmosphäre aus und hinterließ ein beeindrucktes Publikum, das tiefere Einblicke in die Geschichte des Passeiertals und das Wirken eines außergewöhnlichen Geistlichen gewonnen hatte.

















